Achterbahnen und ihre Antriebstechnik – Hyraulic-Launch

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Achterbahnen bestehen in den meisten Fällen aus einem Achterbahnzug oder Wagen, der einen Rundkurs über seine kinetische oder seine potenzielle Energie meistert und einer Einrichtung, die dem Wagen diese Energie zuführt. In den meisten Fällen ist es der berühmte Kettenlift, oder auch der Kabellift, der zu Beginn der Fahrt dem Wagen seine potenzielle Energie zuführt. Das ist die Energie, die der Zug besitzt, nachdem er auf eine höhere Lage versetzt wurde. In vielen Fällen allerdings werden Achterbahnzüge mittels einer speziellen Einrichtung schon zu Beginn beschleunigt, erhalten somit kinetische Energie – kurz gesagt Geschwindigkeit. Durch diese zugeführte Energie meistert der Achterbahnzug dann den Rundkurs von selbst. Dazu gibt es nicht nur verschiedene Varianten von linearen Elektromotoren (auch als LSM oder LIM bekannt, wobei die Systeme sich stark unterscheiden) sondern auch verschiedene Systeme, die über Druckluft oder sogar Schwungräder dem Zug seine Geschwindigkeit geben. Um uns aber hier auf ein Thema festzulegen, beginnen wir mit dem Hydraulic-Launch.

Hydraulic? Launch? Zunächst sollten die beiden Begriffe geklärt werden. Hydraulic (englisches Wort für Hydraulik) kennt man bestimmt von Baggern oder sogar Aufzügen. Hier wird Energie über eine Flüssigkeit (aus dem Griechischen „hýdor“ also „Wasser“) übertragen, sodass erzeugter Druck z. B. Kolben in ihrer Länge variieren lässt. In den meisten Fällen wird Hydrauliköl verwendet. Das Wort Launch hingegen bedeutet nichts anderes als „Abschuss“. Das ist also der Teil, der sagt, dass kinetische Energie hinzugegeben wird. Um nun die beiden Begriffe zu kombinieren, führt ein Hydraulic Launched Coaster mittels eines hydraulischen Motors einem Achterbahnzug seine Energie zu. Das wichtigste Element ist somit der Hydraulikmotor. Dieser treibt eine große Seilwinde an, die sich am Ende einer jeden Beschleunigungsstrecke befindet. Das darauf aufgewickelte Seil führt inmitten der Achterbahnschiene hindurch und reicht bis hin zum sogenannten Catch Car. Das ist eine Art Schlitten, der innerhalb der Beschleunigungsstrecke liegt und vor dem Launch den Wagen mittels eines Rücklaufhakens am Zug packt.

Der Hydraulikmotor beginnt zu arbeiten, wickelt mittels Seilwinde das Stahlseil auf, das sich am Catch Car befindet und lässt es den Zug beschleunigen. Zum Ende der Beschleunigungsstrecke verschwindet das Catch Car nach unten hin, lässt somit den Rücklaufhaken frei und bremst mittels Magnetbremsen schlagartig ab – der Zug rollt weiter und durchläuft mit der erreichten Geschwindigkeit den Rundkurs. Für die Beschleunigung wird schlagartig viel Energie benötigt, die jedoch keine Pumpe der Welt in benötigter Form bereitstellen kann, muss die Energie vorab gespeichert werden. Dies geschieht über sogenannte Kolbenspeicher, die mittels komprimierten Stickstoffs Energie speichern. Über eine Pumpe wird kontinuierlich Öl in den Kolbenspeicher gepumpt, das den Stickstoff auf bis zu 300 Bar komprimiert. Über ein Hochdruckventil wird das Öl dann in den Kreislauf freigelassen, das dort dann mithilfe des erzeugten Drucks den Hydraulikmotor betreibt. Zum Ende der Beschleunigungsstrecke ist kein Druck mehr vorhanden, weswegen die Beschleunigung automatisch nachlässt. Der Zug muss unmittelbar nach der Beschleunigung den höchsten Punkt der Strecke passieren, damit der Zug den gesamten Rundkurs schafft.
Die Bedingungen variieren jedoch von Tag zu Tag, wodurch es gelegentlich zum sogenannten Rollback kommt. Dabei erreicht der Zug zwar wie auch sonst die Kuppe, rollt aber dann schnell wieder zurück auf die Beschleunigungsstrecke. Damit die Fahrgäste auch in einem solchen Fall keiner Gefahr ausgesetzt werden, sind entlang der Beschleunigungsstrecke Bremsschwerter angebracht. Mittels Magneten unter jedem Zug sorgen die Bremsschwerter für eine gleichmäßige Bremsung der Züge.
Um während des Abschusses nicht zu bremsen, fahren die Schwerter vor jedem Abschuss mittels Luftdruck herunter, um gleich nach Passieren des Zuges wieder nach oben zu schnellen. Hydraulic Launched Coastern sind besonders wegen ihrer kräftigen Beschleunigung beliebt, aber auch aufgrund ihrer großen Geschwindigkeitsspanne. Familienachterbahnen von Vekoma aber auch die schnellsten Achterbahnen der Welt nutzen ein solches System. Dieser Antrieb zeichnet sich jedoch auch durch hohe Wartungskosten aus. Bei den Mitnehmern am Zug, dem Catch Car selbst, sowie Seil, Motor Pumpen und Co. treten Verschleißerscheinungen auf, die die höheren Wartungskosten verursachen. Der Trend neigt sich somit zu kontaktlosen Systemen, die über elektromagnetische Motoren funktionieren.

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